Absurdes in der Abendzeitung (Derby in Fürth 2009) - 07.02.2010
Gelbe Karte vom Presserat für Marschberichterstattung

Hohe Wellen schlug die Berichterstattung der Nürnberger „Abendzeitung“ über den Fürth-Marsch im Mai 2009. Mit der „SS-Bahn“ würden die Glubb-Fans anreisen, war zu lesen in dem Boulevardblatt; aufgerufen worden sei von einer „zwetschgengeistigen Elite“.

 

Jetzt ging die Auseinandersetzung um die Berichterstattung in die Verlängerung: Beim Deutschen Presserat in Berlin hatte sich ein Glubb-Anhänger beschwert, der sich beleidigt fühlte vor allem von der Schamberger-Kolumne „An der Westfront“ in der es nur so wimmelte von Nazi-Anspielungen: „Mein Wadenkrampf“, „amtierender Hauleiter“. Auf neun Seiten erläuterte der RSH-Anwalt die Beschwerde und weshalb es gegen den Pressekodex verstößt, wenn eine friedliche Fandemonstration mit einer Nazi-Kundgebung gleichgesetzt wird. Seiner Ansicht nach stellt es eine Ehrverletzung dar, wenn diejenigen, die zu einer Fankundgebung am Rande eines Fußballspiels aufrufen, in aller Öffentlichkeit mit einem politisch Verantwortlichen der NSDAP gleichgesetzt werden. Die Bezeichnung „amtierender Hauleiter“ könne jeder Leser nur als „Gauleiter“ verstehen. Es sei Schmähkritik, wenn die Glubber-Fans als „Gesäße mit Beinen und Trinkröhren“ bezeichnet würden.

 

Die Beschwerde brachte einen Teilerfolg.


 

Die Mehrzahl der Beschwerden wird nach einer Vorprüfung nämlich gar nicht dem Beschwerdeausschuss vorgelegt, sondern bereits vorher als offensichtlich unbegründet abgelehnt. Im Jahre 2008 wurden von 729 Beschwerden nur 294 auch tatsächlich behandelt.


 

Doch der Presserat nahm die Beschwerde des RSH-Mitglieds gegen den Schamberger-Artikel zur Entscheidung an und beriet das Vorbringen im achtköpfigen Beschwerdeausschuss 1. Im Ergebnis wurde die Beschwerde zwar bei einer Enthaltung als unbegründet abgelehnt. Der Beitrag sei eine „Satire“ gewesen und Formulierungen wie „Heilbojen“ und „Hauleiter“ seien so erkennbar übertrieben und absurd, dass die Fans nicht ernsthaft mit Nazis gleichgesetzt würden. Es sei deshalb keine Diskriminierung der Fangruppierung oder Aufmarsch-Organisatoren. Eine Beleidigung der Fans bestehe nicht, weil in dem Artikel keine Namen genannt würden.


 

Der Redaktionsleiter der Abendzeitung Nürnberg hatte gegenüber dem Beschwerdeausschuss eine Stellungnahme abgegeben. Die Kolumne des lokalen Kulturpreisträgers sei „Ironie“.


 

Der Beschwerdeausschuss hielt nach Beratung der Beschwerde und der Stellungnahme den Artikel insgesamt für eine „noch zulässige Meinungsäußerung“. Fußballerdeutsch würde man wohl sagen: Gelbe Karte für die Abendzeitung.